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🌿 Forschung aktuell: Einfluss urbaner Begrünung auf Luftqualität

… Die Forschung der letzten Jahre zeichnet ein differenziertes Bild: Urbanes Grün kann Luftschadstoffe mindern, aber Wirkung und Richtung hängen stark von Standort, Dichte und Gestaltung ab.

Gleichzeitig rückt die Frage stärker in den Fokus, wie Städte ihre Freiräume, Straßenräume und Gebäudeoberflächen nutzen können, um die Belastung zu reduzieren und das Mikroklima insgesamt zu verbessern.

Hier setzt aktuelle Forschung zur Rolle urbaner Begrünung an:
Stadtgrün ist kein alleiniger Lösungsweg, aber ein wichtiger Baustein der Luftreinhaltung – und gleichzeitig eine Maßnahme, die Hitze, Wasser, Biodiversität und Aufenthaltsqualität positiv beeinflusst.

1. Stadtgrün wirkt — und sein Potenzial ist größer als oft angenommen

Aktuelle Studien zeigen klar: Urbanes Grün trägt zur Reduktion von Luftschadstoffen bei, wenn auch in unterschiedlicher Stärke je nach Standort und Struktur.
Besonders gut belegt sind Wirkungen bei:

  • PM₂,₅ (Feinstaub): Ablagerung an Blättern & Nadeln
  • NO₂: Reduktion durch Verdünnung und Filtration
  • Black Carbon (Ruß): messbar niedrigere Konzentrationen in begrünten Umfeldern

Studien wie jene von Venter et al. (2024)2 und Idris et al. (2025)3 kommen zu dem Ergebnis, dass:

  • Grünflächen auf Quartiers- und Stadtebene messbar zur Luftqualitätsverbesserung beitragen,
  • die Wirkung besonders groß ist, wenn Grün vernetzt, ausreichend flächig und strömungsfreundlich geplant ist,
  • Stadtgrün darüber hinaus weitere Schlüsselprozesse positiv beeinflusst:
    • Kühlung & Mikroklima
    • Verdunstung (Evapotranspiration)
    • Luftaustausch
    • CO₂-Bindung
    • Lärmminderung
    • Erholung & Gesundheit

Anders gesagt:
Stadtgrün ist kein Ersatz für Emissionsreduktion – aber einer der effektivsten „Multiplikator-Effekte“ für saubere, gesunde und lebenswerte Städte.

Ein aktueller Review von Marino (2022)4 beschreibt drei wesentliche Wirkmechanismen, wie urbane Grünflächen Luftqualität verbessern:

  1. Deposition & Filtration von Partikeln an Blattoberflächen,
  2. Verdünnung von Schadstoffen durch veränderte Strömungsmuster,
  3. indirekte Effekte durch Kühlung und veränderte Chemie in der bodennahen Luftschicht. geojournal.net+1

Die EEA5 verweist in ihrem Dossier zu europäischen Städten explizit darauf, dass Parks, Bäume und andere Grünflächen Luftqualität verbessern, Lärm reduzieren und Temperaturen senken – und damit mehrere Umweltprobleme gleichzeitig adressieren.

Eine Studie von Matthaios et al. (2024)6 untersuchte 74 innerstädtische Schulen über zehn Jahre und maß PM₂,₅, NO₂ und Black Carbon in Innenräumen. Ergebnis:

  • Mit größerem Abstand zu stark befahrenen Straßen sanken die innen gemessenen verkehrsbedingten Konzentrationen um 60 % (PM₂,₅)35 % (NO₂) und 22 % (BC).
  • Gleichzeitig war eine höhere Umgebungsgrünheit im 270-m-Radius signifikant mit niedrigeren Innenraumwerten für alle drei Schadstoffe verbunden.

Das unterstreicht: Verkehrsreduktion und intelligente Grünplanung rund um sensible Nutzungen (Schulen, Kitas, Krankenhäuser) sind besonders wirksam.

Das Fallbeispiel Stuttgart7 zeigt, wie Grünzüge und sogenannte Luftleitbahnen helfen, belastete Innenstadtbereiche mit frischer, kühler Luft zu versorgen.
Im Rahmen des „Klimaatlas Stuttgart“ wurden:

  • Frischluftentstehungsgebiete (z. B. bewaldete Hänge)
  • und Durchlüftungskorridore planerisch gesichert, um Hitzeinsel-Effekte und Luftschadstoffbelastung zu reduzieren.

Grünflächen dienen hier nicht nur als Filter, sondern als Infrastruktur für die Ventilation der Stadt.

Die Forschung zeigt eindeutig: Urbanes Grün kann die Luftqualität verbessern – wenn es richtig geplant wird. Weniger geht es um „Grenzen“, sondern um Gestaltungsfaktoren, die Wirkung verstärken oder vermeiden helfen, dass Potenziale ungenutzt bleiben. Aktuelle Studien (Venter 2024, Idris 2025; u. a.) heben drei zentrale Punkte hervor:

1. Standort & Strömung sind entscheidend

In engen Straßenschluchten kann ein dichter, durchgehender Kronenschluss den Luftaustausch verlangsamen.

Lösung:

  • Baumreihen auflockern,
  • Strömungskorridore freihalten,
  • auf kleinkronige oder hoch aufgeastete Arten setzen.

Richtig geplant, verbessern Bäume auch in Straßenschluchten die thermische Behaglichkeit und tragen zur Verdünnung von Schadstoffen bei.


2. Vielfalt schlägt Monokultur

Einige Baumarten emittieren flüchtige organische Verbindungen (BVOC), die unter bestimmten Wetterlagen die Ozonbildung leicht begünstigen können.
Das heißt aber nicht, dass solche Arten ungeeignet sind — entscheidend ist eine gut abgestimmte Mischung.

Lösung:

  • diverser Artenmix,
  • bevorzugt Bäume mit niedriger BVOC-Emission,
  • robuste, klimaangepasste Sorten für nachhaltige Bestände.

3. Kleinteilige Grüninseln brauchen Vernetzung

Einzelne kleine Grünflächen haben oft lokal positive Effekte, aber erst ein Grünnetz entfaltet Wirkung auf Quartier- oder Stadtebene:

  • Parks
  • Baumalleen
  • Dach- & Fassadenbegrünungen
  • Grünzüge & Luftleitbahnen
  • Pocket Parks in dichten Quartieren

Lösung:

Grün nicht als Einzelmaßnahme denken, sondern als verbundene Infrastruktur, die Klima, Luftqualität und Aufenthaltsqualität gleichzeitig verbessert.

Stadtgrün wirkt – und Studien zeigen klar, wie es am meisten bewirkt: Durch kluge Artenwahl, strömungsfreundliche Gestaltung und eine vernetzte Struktur. So wird urbanes Grün zu einem kraftvollen Hebel für gesündere, kühlere und lebenswertere Städte.

1. Stadtgrün als wirksamer Verstärker nutzen

Begrünung reduziert Schadstoffe wie PM₂,₅ und NO₂ messbar und stärkt gleichzeitig Mikroklima, Kühlung und Gesundheit.
Sie ergänzt Emissionsminderungen und macht Maßnahmen insgesamt wirksamer.

2. Richtiger Standort, richtige Struktur

Die Wirkung hängt davon ab, wie und wo Grün eingesetzt wird:
strömungsfreundliche Baumreihen, klimaresiliente Arten und eine Kombination aus Bäumen, Fassaden- und Dachbegrünung sorgen für den größten Effekt.

3. Vernetzung schlägt Einzelmaßnahme

Ein zusammenhängendes Grünsystem – Parks, Straßenbäume, Grünzüge, Dach- und Fassadenbegrünung – entfaltet deutlich mehr Wirkung als isolierte Projekte.

Urbanes Grün ist ein hochwirksames, vielseitiges Instrument, das Luftqualität, Klimaresilienz und Lebensqualität gleichzeitig verbessert – vorausgesetzt, es wird strategisch geplant und vernetzt.

Bei Visioverdis 2.0 verbinden wir wissenschaftliche Evidenz mit praxisnaher Stadt- und Objektplanung. Wir unterstützen Sie dabei, Begrünungsmaßnahmen so zu gestalten, dass sie Luftqualität, Mikroklima und Aufenthaltsqualität messbar verbessern.

Wir beraten zu:

  • geeigneten Standorten, Strukturen und Arten,
  • der optimalen Kombination aus Baum-, Fassaden- und Dachbegrünung,
  • sowie Fördermöglichkeiten und wirkungsorientierter Umsetzung.

Unser Ansatz: interdisziplinär, datenbasiert und darauf ausgerichtet, das volle Potenzial urbaner Begrünung auszuschöpfen.

  1. European Environment Agency. (2025). Air Quality Status Report 2025. [Zugriff am: 08.11.2025] ↩︎
  2. Venter, Z.S. et al. (2024). Reassessing the role of urban green space in air pollution control. PNAS. [Zugriff am: 08.11.2025] ↩︎
  3. Idris, A.B. et al. (2025): Green Infrastructure and Urban Air Quality: A Semi-Systematic Review of Multiscale Evidence, Methodologies, and Policy-Relevant Insights. Water, Air & Soil Pollution. [Zugriff am: 08.11.2025] ↩︎
  4. Marino, V. (2022). Urban green spaces and their role in enhancing air quality. International Journal of Geography, Geology and Environment 2022; 4(1): 215-218. [Zugriff am: 18.11.2025] ↩︎
  5. European Environment Agency. (2022/2023). How green are European cities? / Air quality status report 2025. [Zugriff am: 08.11.2025] ↩︎
  6. Matthaios, V.N. et al. (2024). The effects of urban green space and road proximity to indoor traffic-related PM2.5, NO2, and BC exposure in inner-city schools. Journal of Exposure Science & Environmental Epidemiology. [Zugriff am: 08.11.2025] ↩︎
  7. European Environment Agency. Climate-ADAPT. (2020). Climate. Case studies: Stuttgart: Bekämpfung des Wärmeinseleffekts und der schlechten Luftqualität durch Lüftungskorridore und grün-blaue Infrastruktur. [Zugriff am: 08.11.2025] ↩︎