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💧Best Practices: Wie Städte Wasser speichern und gleichzeitig Hitze reduzieren

Bild von Nerea Martí Sesarino

Klimaanpassung beginnt unter unseren Füßen. Extreme Wetterereignisse nehmen zu: Laut Umweltbundesamt sind Starkregenereignisse in Deutschland zwischen 2001 und 2020 um rund 30 % häufiger aufgetreten als in den 1990er Jahren. Gleichzeitig steigen die sommerlichen Hitzetage in Innenstädten.1

Konventionelle Stadtentwässerungssysteme stoßen an Grenzen – zu viel Wasser auf einmal, zu wenig Speicherung in Trockenphasen. Aber es gibt Lösungen: Schwammstädte nutzen Regenwasser als Ressource. Versickerungsmulden, Retentionsdächer und unterirdische Speicher puffern Niederschläge ab, entlasten die Kanalisation und befeuchten Grünflächen.

Praxisbeispiel: Hamburg – Projekt „Jenfelder Au“
Das Stadtquartier gilt europaweit als Vorbild für integriertes Wassermanagement: Es trennt Regenwasser, Schwarzwasser und Grauwasser am Entstehungsort; das anfallende Regenwasser versickert oder wird für Grünpflege wiederverwendet. Das Ergebnis: Reduktion der Oberflächenabflüsse um rund 70 %.2

  • Weniger Wasserverbrauch → direkte Einsparung
  • Weniger Wartung, längere Lebensdauer
  • Beitrag zur CO₂-Minderung (z. B. auch durch weniger Pump- & Klärenergie durch dezentrale Regenwasserrückhaltung, geringerer Energie- und Klimatisierungsbedarf durch natürliche Verdunstungskühlung, mehr Grünflächen & Dachbegrünung binden CO₂ und senken städtische Temperaturen )

Begrünte Dächer und Fassaden können als dezentrale Wasserspeicher dienen, die meist mindestens 40 – 50 % des Jahresniederschlags speichern.3

Außerdem wirken sich Begrünungen aber auch durch Verdunstungskühlung und Beschattung besonders positiv auf das Mikroklima aus: Sie können die Umgebungstemperatur um bis zu 2 °C kühlen.4

In drei Fallstudien wurden die Wirkungen von Maßnahmen zur Regenwasserverdunstung auf ausgewählte thermische bzw. humanbioklimatische Parameter mit Hilfe von numerischen Modellierungen beispielhaft quantifiziert. Zentrale Ergebnisse sind:5

  • Energieeinsparungen auf Gebäudeebene: zur Kühlung der Innenräume im Bereich von 10 % (Dachbegrünung) bis zu 50 % (Beschattung mit Bäumen)
  • Fassadenbegrünungen in der Summe effektiver als Dachbegrünungen: größere Fläche und auf allen Etagen wirksam, Steigerung der Verdunstungskühlleistung durch Bewässerung, Bsp. bei Dachgeschoss im Südwesten Anzahl an Tagen mit mittleren Tagestemperaturen über 25 °C aufgrund der Fassadenbegrünung um etwa die Hälfte gesenkt;
  • Quartiersebene (Außenklima): stärkste Wirkung bei Bäumen (Baumrigolen) und Fassadenbegrünungen mit nachhaltiger Reduktion (- 16 %) des Hitzestresses über längeren Zeitraum;
  • Gesamtstädtische / stadtregionale Ebene: je nach Stadtstruktur Abkühlungspotentiale zwischen 0,5 K und 1,3 K mit Hilfe von Regenwasserverdunstung.

Als Hintergrund zur Beschattung: Durch Beschattung kann die eintreffende kurzwellige Strahlung um bis zu 90 % reduziert werden. Durch Evapotranspiration können Bäume den fühlbaren Wärmestrom um bis zu 50 % reduzieren und damit Lufttemperaturen in ihrem Schatten um bis zu 35 % verringern (verglichen mit Schattenflächen von Gebäuden). In einer Simulation des thermischen Komfort im Außenbereich einer beispielhaften Münchner Blockbebauung konnten für Baumpflanzungen (i. d. R. ältere Bäume) -13 % relative Reduktion des Hitzestresses im Vergleich zur Bestandssituationfolgende gezeigt und für Fassadenbegrünung -10% gezeigt werden. Somit wird die Fassadenbegrünung zu einer der wirksamsten Methoden zur Anpassung des Mikrollimas in Städten, weil sie hier große Vorteile für die Nachrrüstung im Bestand ermöglicht.6

  • Mikroklimatische Entlastung: Begrünte Flächen senken die Umgebungstemperatur um bis zu 2 °C und reduzieren Hitzebelastungen.
  • Wasserhaushalt & Kühlung: Durch Verdunstung entsteht natürliche Luftfeuchtigkeit, die gleichzeitig das Stadtklima stabilisiert.
  • Energieeffizienz: Gebäude mit begrünten Dächern benötigen bis zu 20 % weniger Energie für Kühlung im Sommer.
  • Luftqualität & Biodiversität: Pflanzen binden Feinstaub, speichern CO₂ und schaffen Lebensräume für Insekten und Vögel.
  • Weniger Überflutungsschäden bei Starkregen
  • Abkühlung um bis zu 2 °C in dicht bebauten Gebieten
  • Erhöhte Grundwasserneubildung und bessere Luftqualität
  • Beitrag zu Klimaanpassungszielen der EU Urban Greening Mission

Die Umsetzung integrierter Umweltmaßnahmen ist oft komplex – sie erfordert technisches Verständnis, förderrechtliches Wissen und vernetzte Planung. Visioverdis 2.0 ist Ihr Partner für ganzheitliche Lösungen: Wir behalten den Überblick, vernetzen Akteure und begleiten Sie bei der Umsetzung des Schwammstadtprinzips – von der Potenzialanalyse über Förderberatung bis zur Integration in Stadt- und Umweltstrategien.

Unser Ansatz: interdisziplinär, praxisnah und messbar wirksam – mit echtem Mehrwert für Klima, Energie und Lebensqualität.

Quellen:

  1. Bosch & Partner GmbH (Stefan v. Andrian-Werburg) i. A. des Umweltbundesamtes / KomPass. (2023). Monitoringbericht 2023 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel. Indikator-Factsheet: Starkregen im Siedlungsbereich. [Zugriff am: 04.11.2025] ↩︎
  2. HAMBURG WASSER. (2019). HAMBURG WATER Cycle®. [Zugriff am: 04.11.2025] ↩︎
  3. Bundesverband GebäudeGrün e.V. (BuGG). (2022). BuGG-Marktreport Gebäudegrün 2022: Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung Deutschland. [Zugriff am: 04.11.2025] ↩︎
  4. Deutscher Wetterdienst (DWD). (2022). Endbericht zum Projekt ADAM – Analyse der thermischen Wirkung von Dachbegrünung mittels Stadtklimamodellierung. [Zugriff am: 04.11.2025] ↩︎
  5. Umweltbundesamt. (2019). Abschlussbericht: Untersuchung der Potentiale für die Nutzung von Regenwasser zur Verdunstungskühlung in Städten. [Zugriff am: 04.11.2025] ↩︎
  6. S. Pauleit, S. Erlwein, S. Linke, M. Rahman, T. Zölch, T. Rötzer. Deutscher Wetterdienst (Hrsg.). (2023). Grün-blaue Infrastruktur für die Klimawandelanpassung der Stadt. promet, Heft 106, 79-88, DOI: 10.5676/DWD_pub/promet_106_08. [Zugriff am: 04.11.2025] ↩︎